Publikationsgeschichte
Publikationsgeschichte
Vor dem Erscheinen der ersten Buchausgabe wurde der Text als Vorabdruck vom 17.4.–17.7.1932 in insgesamt 14 Fortsetzungen in der ebenfalls zum Ullstein Verlag gehörenden wöchentlich erscheinenden Berliner Illustrirten Zeitung (BIZ) veröffentlicht. Er unterscheidet sich von der ersten Buchfassung vor allem hinsichtlich Interpunktion, Getrennt- und Zusammenschreibung, Groß- und Kleinschreibung sowie der Absatzgestaltung. Überdies wurden für englische Begriffe in der Buchfassung häufiger deutsche Begriffe in der Zeitschriftenfassung verwendet (z.B. ‚Atelier‘ statt ‚Stage‘, ‚Ei und Schinken‘ statt ‚Ham and Eggs‘; dies gilt auch für Ortsnamen wie ‚Pennsylvanien‘ statt ‚Pennsylvania‘); weiters ist die Figurenrede in der Zeitschriftenfassung z. T. näher an der gesprochenen Sprache (etwa ‚grade‘ statt ‚gerade‘ oder ‚andern‘ statt ‚anderen‘).
Textkürzungen finden sich in der Zeitschriftenfassung häufig dort, wo es um sexuelle Inhalte, erotische Anspielungen u. Ä. geht – wohl, um dem 1926 in Deutschland in Kraft getretenen Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften Genüge zu leisten. Diese Texteingriffe, für die vermutlich der Verlag verantwortlich zeichnete (der Vertrag zu Leben ohne Geheimnis ist nicht erhalten, allerdings kann aus anderen Verträgen Vicki Baums mit dem Ullstein Verlag darauf geschlossen werden, wie etwa aus dem Roman-Vertrag zu Menschen im Hotel § 3, 25.1.1929, UBV; s. auch den Kommentar zur Publikationsgeschichte von Menschen im Hotel, und s. den Telegrammwechsel zwischen Baum und dem Ullstein Verlag, in welchem Baum auch auf der Verwendung des Originalmanuskripts für die Buchfassung besteht [Brief vom 25.10.1932, AdK, Nr. 92]), wurden allerdings in späteren Buchausgaben im Ullstein Verlag noch massiver ausgeweitet. So sagt beispielsweise die Statistin Francis Warrens in der ersten Buchausgabe: „Aber es ist gar nicht wahr, daß man Karriere macht, wenn man mit jedem schläft“ (42), in der BIZ: „Aber es ist gar nicht wahr, daß man Karriere macht, wenn man mit jedem geht“ (BIZ 41, 16, 24.4.1932, 493), und in der Buchfassung von 1959 fehlt diese Stelle gänzlich.
Die umfangreichen Änderungen und Streichungen (der erste Buchdruck von 1932 umfasst 330, die Ausgabe von 1959 nur noch 172 Seiten – und nirgendwo ist vermerkt, dass es sich um eine stark gekürzte Fassung handelt) erstrecken sich aber auch auf andere Bereiche und Themenfelder. So wurden österreichische bzw. süddeutsche Ausdrücke geändert (beispielsweise ‚sehen‘, ‚blicken‘ oder ‚betrachten‘ statt ‚schauen‘; ‚benützen‘ statt ‚benutzen‘ oder ‚hatte gestanden‘ statt ‚war gestanden‘). Über den Austausch einzelner Wörter hinausgehend wurden Kürzungen vorgenommen an deskriptiven oder reflexiven Ausführungen, an topografischen Schilderungen, die dem Text Lokalkolorit verleihen, und an detaillierteren Personenschilderungen sowie Hintergrundgeschichten. Dazu zählen etwa die Erinnerungen an Donka Morescus Pariser Zeit, Richard Aldens’ Darmstädter Herkunft oder Oliver Dents Familiengeschichte. An zahlreichen Textstellen wurden auch systematisch Adjektive und Nebensätze aus dem Text entfernt; so lautet etwa eine Textstelle in der Fassung von 1932: „Sie schaute sich in dem hellen, einfachen, überfüllten Raum um, es war eine Heimat“ (102) und 1959: „Sie sah sich um“ (Baum 1959, 60). Der eigentümliche und zuweilen kreative Sprachgebrauch Baums, Wortneuschöpfungen sowie fiktive Titel wurden indes beibehalten.
Übersetzt wurde der Roman bald nach seinem Erscheinen u. a. ins Niederländische (1932), Französische, Italienische, Ungarische, Dänische, Norwegische und Polnische (1933) (vgl. Nottelmann 2002, 351f.). Für Baum, die zu diesem Zeitpunkt bereits in den USA lebte und dort langfristig Fuß fassen wollte, war vor allem die Übersetzung ins Englische (durch Ida Zeitlin) wichtig, die 1934 sowohl bei Geoffrey Bles (s. Memorandum of Agreement vom 18.10.1934, AdK, Nr. 83) in London als auch bei Doubleday (s. Memorandum of Agreement vom 09.05.1933, AdK, Nr. 85) in Amerika erschien.
Laura Tezarek
Siglen
- AdK - Akademie der Künste, Berlin, Vicki-Baum-Archiv
- UBV - Ullstein Buchverlage Vertragsarchiv, Berlin
Literatur
- Baum 1932 - Vicki Baum: Leben ohne Geheimnis. Roman. Berlin 1932.
- Baum 1959 - Vicki Baum: Leben ohne Geheimnis. Roman. West-Berlin und Frankfurt/Main 1959.
- Nottelmann 2002 - Nicole Nottelmann: Strategien des Erfolgs. Narratologische Analysen exemplarischer Romane Vicki Baums. Würzburg 2002.

