Entstehung

Im April 1931 reiste Vicki Baum zum ersten Mal in die USA, wohnte einer Theateraufführung von Grand Hotel am Broadway in New York bei und fuhr weiter an die Westküste nach Hollywood, wo sie an der MGM-Verfilmung von Grand Hotel (Regie: Edmund Goulding, 1932) beteiligt war. Im November desselben Jahres kehrte sie über New York nach Deutschland zurück und sprach bereits kurz vor ihrer Rückreise in US-amerikanischen Zeitungen davon, einen ‚Hollywoodroman‘ zu schreiben. So berichtete die New York Times am 17.11.1931 über Baums literarische Pläne:

[A]ny one who had once visited Hollywood would always wish to return.

That brought her to thoughts of the capital of the cinema, and so she came to the proposed novel. Her method of writing is apparently one which starts with the cover, for she thought of the title first, and then the plot. It is to be called „Falling Star“, and it will concern itself with Hollywood. But it will not be the Hollywood of the Kaufmans and Van Vechtens, for Mrs. Baum does not see the inhabitants in that light. They are not „silly“, but try hard to do their best work; they are a little „sad“. (Anonym 1931)

Wenige Monate später – Baum ist nach Deutschland zurückgekehrt – wurde in der New York Times erneut über Baums ‚Hollywoodroman‘ berichtet: „After saying that she ‚hated‘ people who write books about another country after a short stay there, Miss Baum revealed that despite all her good intentions and promises, much to her own surprise, she was writing a novel about Hollywood. ‚Of course‘, she added, ‚it will be fiction, so, perhaps it can be excused.‘“ (Anonym 1932a) In diesem Artikel wird die Faszination, die Hollywood auf Baum ausübte, beschrieben; wie bei einer landschaftlich schönen Bahnfahrt könne einem schlecht werden von all den Kurven und dem Auf und Ab. Elend und Reichtum, Triumph und Verzweiflung würden hier so nahe beieinanderliegen wie nirgendwo sonst auf der Welt.

Bemerkenswert ist, dass der englische Titel des Romans, Falling Star, bereits im November 1931, Monate vor dem deutschen Titel, feststand (vgl. Anonym 1931). Am 22.3.1932 – knapp vor Baums zweiter Reise in die USA und etwas weniger als vier Wochen vor dem Erscheinen des Romans in der Berliner Illustrirten Zeitung (BIZ) – schlug der Ullstein Verlag den deutschen Titel „Oliver, der schönste Mann der Welt“ vor, der „trotz gewisser Bedenken“ für den besten Titel gehalten wurde. Baum ließ den Verlag noch am selben Tag per Telegramm wissen: „Titel ganz unmöglich.“ und schlug am nächsten Tag vor: „Wenn ein Stern fällt. Die Hölle im Paradies. Menschen und Plakate. Die Flucht aus Hollywood“ (zusammengefasst in einem Brief des Ullstein Verlags an Vicki Baum, 24.3.1932, UBV). Wiewohl man bei Ullstein „Menschen und Plakate“ zwar „sympathisch“ fand, so merkte man aber doch an, dass die „Wortnähe zu Menschen im Hotel bedenklich“ sei. Stattdessen wurde vom Verlag „Leben ohne Geheimnis“ vorgeschlagen – und Baum stimmte sofort zu (Brief Ullstein Verlag an Vicki Baum, 24.3.1932, UBV).

Brief des Ullstein Verlags an Vicki Baum, 24.3.1932, UBV.

An dem Tag, an dem der erste Teil des Romans in der BIZ erschien – Baum befand sich wieder in Amerika –, veröffentlichte auch die New York Times ein Interview mit Baum, in dem sie den Text näher charakterisierte als „not a bright and funny book“ (Anonym 1932b) und ihre ursprünglichen Erwartungen mit der bei der ersten Amerikareise vorgefundenen Realität kontrastierte. Aber nicht nur die amerikanischen Medien begleiteten Baum durch die USA. Sie selbst veröffentlichte noch während der Reise 1932 mehrere Feuilletons über Amerika, die thematische Ähnlichkeiten zu Leben ohne Geheimnis aufweisen. So berichtete sie etwa in dem 1931 in der Zeitschrift Die Dame erschienenen Text Ein bißchen New York: Vom guten Aussehen (Baum 2018b) über die amerikanische Diätkultur, der sich im Roman auch Francis und Oliver unterwerfen. Dem überall vernehmlichen Zirpen der Grillen, das im Roman bereits zu Beginn vorkommt, widmete sie mit Die Grillen von Hollywood (Baum 2018a) ein ganzes Feuilleton. Während der Roman in der BIZ erschien, veröffentlichte sie im Mai 1932 in der Ullstein-Zeitschrift Uhu den Text Unglücklich in Hollywood! Das Leben der großen und kleinen Sterne (Baum 2018c), der zahlreiche Berührungspunkte mit Leben ohne Geheimnis aufweist, wie die vergiftete Atmosphäre Hollywoods, die hungernden Statistinnen, die als Schönheitsköniginnen nach Hollywood kamen, oder die Stummfilmstars, die wegen ihres Akzents keine Anstellung mehr finden (vgl. dazu auch Hofeneder 2017, 234f.).

Laura Tezarek

Siglen

  • UBV - Ullstein Buchverlage Vertragsarchiv, Berlin

 

Literatur

  • Anonym 1931 - Anonym: Vicki Baum Plans to Live on Coast. In: The New York Times, 17.11.1931, 27.
  • Anonym 1932a - Anonym: Vicki Baum Reviews Thrills in America. In: The New York Times, 18.1.1932, 13.
  • Anonym 1932b - Anonym: Vicki Baum’s Plans for Future. In: The New York Times, 17.4.1932, 6.
  • Baum 2018a - Vicki Baum: Die Grillen von Hollywood [1931]. In: Dies.: Makkaroni in der Dämmerung. Feuilletons. Hg. v. Veronika Hofeneder. Wien 2018, 251–253.
  • Baum 2018b - Vicki Baum: Ein bißchen New York: Vom guten Aussehen [1931]. In: Dies.: Makkaroni in der Dämmerung. Feuilletons. Hg. v. Veronika Hofeneder. Wien 2018, 235–239.
  • Baum 2018c - Vicki Baum: Unglücklich in Hollywood! Das Leben der großen und kleinen Sterne [1932]. In: Dies.: Makkaroni in der Dämmerung. Feuilletons. Hg. v. Veronika Hofeneder. Wien 2018, 259–264.
  • Hofeneder 2017 - Veronika Hofeneder: Vom Schreiben, Tanzen, Musizieren – Vicki Baums feuilletonistische Betrachtungen künstlerischer Ausdrucksformen. In: Feuilleton. Schreiben an der Schnittstelle zwischen Journalismus und Literatur. Hg. v. Hildegard Kernmayer und Simone Jung. Bielefeld 2017, 217–236.